Das Berliner Kinderhilfsprojekt: Fathers House


Bis zu fünzig Kinder und Jugendliche kommen ins Father’s House in die Firlstrasse 39, Ecke Wilhelminenhofstraße. Kinder aus problematischen sozialen Verhältnissen. Nicht selten kommen Kinder, denen es zu Hause – aus welchen Gründen auch immer - an Liebe und Geborgenheit mangelt oder die einfach nach der Schule nicht betreut werden. In manchen Elternhäusern ist es ein Kopfproblem, nicht das Geld ist knapp, es fehlt an Zeit und Geduld. Job und Freizeitspaß sind wichtiger als die Kinder.



Oberschöneweide in Berlin-Treptow - ein Berliner Problemviertel zwischen Resignation und Hoffnung. Vor der Wende waren hier 20.000 Menschen in maroden VEB-Betrieben beschäftigt. Heute drückt die Arbeitslosigkeit immer mehr Familien an den sozialen Rand. Der Kietz droht zu einem der ärmsten Berliner Viertel zu werden. Mitten im Kietz - das Father’s House. Ein Förderprojekt der Berliner Kinderhilfe des Johanneshilfswerks e.V. , das ohne staatliche Unterstützung arbeitet, allein auf Spenden angewiesen ist.

Im Father´s House braucht man sich nicht bloß an den Tisch zu setzen und es wird aufgetafelt. Priester von Beinen (54), Leiter des Father´s Houses: "Ungesundes und einseitiges Essen sind bei vielen Familien unterhalb der Armutsgrenze ein Problem. Deshalb beteiligen wir die Kinder, die öfter zu uns kommen, an der Zubereitung der Mahlzeit. Sie lernen, wie man sich gesund ernährt.“
Das Father´s House löst nicht die großen Probleme. Priester von Beinen: „Die Familie, die kann niemand ersetzen! Aber ein Gefühl von Geborgenheit, das kann im Father’s House erlebt werden.“ Weil man sich hier mit Verständnis und Geduld um die Kinder kümmert. Man redet mit ihnen – wenn sie mit sich reden lassen. Auch wenn es Zeit braucht, bis Vertrauen und Vertrautheit wächst. Priester von Beinen: „Viele Kinder, die uns die ersten Male besuchen, sind abwartend, haben vielleicht nicht viel Gutes erlebt und sind erstaunt, dass jemand Zeit für sie hat, fragt, wie es ihnen geht, ihnen zuhört ohne abzuwinken.“

Und dann beginnen die anderen Entdeckungen. Zum Beispiel welche interessanten Spiele es gibt und wie viel Spaß sie machen in der Gemeinschaft. Und dann beginnen auch die Mühen, seinen Platz zu finden. Mühen, die belohnt werden: mit dem guten Gefühl dazu zu gehören, sich seiner selbst und seinen Fähigkeiten und den Schwächen bewusster zu werden und etwas zu tun, damit nicht alles so bleibt wie es ist. Und sie erleben ein Gemeinschaftsgefühl, in dem jeder Verantwortung trägt. Priester von Beinen: „Selbständigkeit gilt unsere größte Aufmerksamkeit.“ Die muss allerdings erst gelernt werden. Die Kinder werden zur Erledigung der Hausaufgaben ermuntert und angeleitet. Wichtig ist herauszubekommen, wo ihre Interessen und Stärken liegen. In welchem Schulfach und: Erstaunliche handwerkliche oder künstlerische Begabungen entdecken die Kinder beim Basteln, Malen, Nähen. Yvonne (11): „Ich wusste gar nicht, dass ich so gut Malen kann. Super! Und wie die anderen staunen. Am meisten staune ich selbst!“

KKinder aus sozial schwachen Verhältnissen haben oft ein geringes Selbstvertrauen. Sie haben jede Lust am Lernen verloren. Im Father’s House soll ihnen gezeigt werden, dass sie etwas Können und Wissen. Und das Lernen Spaß macht. Es werden den Kindern Erfolgserlebnisse vermittelt, die ihnen häufig in der Schule, der Familie oder auf der Straße nicht möglich sind. Ein weiteres dringendes Problem ist die zunehmende Gewaltbereitschaft Jugendlicher. Dem begegnen wir mit Gesprächsrunden, Rollenspielen und Sport, kurz: mit Antiaggressionstraining. Priester von Beinen. „Streetwork für Kinder heißt für uns: Allen, die zu uns kommen, Vertrauen in die eigenen Kräfte zu vermitteln, die Kinder erleben zu lassen, dass es für jeden einen Weg gibt, trotz seiner nicht selten schwierigen Situation. Wir können den Weg zeigen, Anstöße geben. Den Weg gehen, muss jeder selbst. Aber im Father’s House ist er nicht allein. Er bekommt Hilfe und er kann anderen helfen, die vielleicht noch nicht so weit sind. Das ist zumindest eine Chance.“